Frühe Entwicklung - 1939 bis 1949

Victoria Kettschau wird als drittes von vier Kindern des Lehrers Fritz Kahlweiß und seiner Frau Emmi, geb. Pilger unter dem Namen Jorinde Eleonore Kahlweiß am 5.2.1925 in Steinbrücken geboren.
Ab 1954 nennt sie sich VICTORIA.
Aus der Zeit ihrer frühen Entwicklung gibt es vor allem Portraitzeichnungen von ihr selbst, Kindern, Freundinnen und Verwandten.
1946, nach dem Krieg, beginnt sie eine Ausbildung zur Grafikerin an der Landeskunstschule Bielefeld. Hier entstehen neben Portraitszeichnungen kleinformatige in der Vielzahl farbige Illustrationsentwürfe.
1948 zwingt eine schwere Erkrankung sie die Ausbildung abzubrechen.

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Neuanfang - 1950 bis 1959

Nach zweijährigen Krankenhausaufenthalten zieht sie, noch immer krank, zu ihrer Tante nach Lippstadt und fängt wieder an zu zeichnen. Es entstehen Portraits, Selbstportraits und illustrative Gouachen. Sie nimmt Zeichenunterricht und beginnt 1954 ein Studium an der Akademie für bildende Künste in München. Sie besucht die Zeichenklasse von Professor Nagel. Es entstehen Akt-, Personen- und Interieurzeichnungen, ein Selbstbildnis – in Kohle – und diverse Skizzen.
1955 bis 1956 wechselt sie in die Malklasse von Professor Nagel und malt dort u.a. ein Selbstbildnis und andere Portraits, Stilleben und einige freie Bildschöpfungen. Die Farbigkeit ist eher zurückhaltend, die Form sicher und gut komponiert.

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Soester Zeit - 1960 bis 1975

Krankheit zwingt sie erneut zum Abbruch des Studiums, nicht aber zur Aufgabe der Malerei. Sie heiratet 1959 und wohnt in Soest. Es entstehen in dieser Zeit eigene Bildschöpfungen, Stillleben, Portraits und Urlaubslandschaften. Dabei werden Farbe und Form zunehmend expressiv, kräftig und immer befreiter von der Vorlage eingesetzt. Man wird an Bilder von Expressionisten erinnert, ohne dass sich direkte Vergleiche aufdrängen. Es geht Victoria schon hier um die Wiedergabe von Wesenhaftigkeit und weniger um die exakte Wiedergabe der äußeren realistischen Form.

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Anfänge und Übergang zur abstrakten Malerei -1975 bis 1989

Zwangsläufig kommt es zu immer stärkeren Abstraktionen und am Ende zur abstrakten Malerei überhaupt. Die Erkenntnis, dass abstrakte Malerei nicht – die auf die Spitze getriebene Abstraktion einer real vorhanden Form, sondern eine völlig eigenständige Formensprache ist – eine Formensprache, die Möglichkeiten erschließt, neue Themen, innere oder gedachte Vorgänge, Bewegungen und Spannungen mit selbst erfundenen oder selbst zu findenden bildnerischen Mitteln auszudrücken. Dies wird für Victoria zum Schlüsselerlebnis, welches fortan ihre ganze künstlerische Arbeit bestimmt. Sie beginnt mit Farben und Formen, mit verschiedenen Materialien und Techniken zu experimentieren, um sich dieser neuen Sprache zu nähern, mit ihr vertraut zu werden – ja, sie sich einzuverleiben.

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Fortentwicklung ihres abstrakten Stils - 1990 bis heute

Ab 1990 kann Victoria frei von besonderen Pflichten und Sorgen im eigenen Atelier malen und tut das auch. Gingen bis dahin die Entwicklungen in der abstrakten Formensprache eher langsam, in Schüben und mit Unterbrechungen voran, so ist die Zeit jetzt für sie erfüllt von intensiver Schaffenskraft und künstlerischer Fortentwicklung. Ihre Kompositionen werden immer strenger, die Entsprechungen konsequenter, schließlich total geometrisch und am Ende werden nur noch gleichförmige Strukturmuster bzw. –prozesse aufgebaut. Diese verteilen sich nun mehr oder weniger gleichmäßig über die gesamte Bildfläche – verweben sich, werden in Schwingungen versetzt und / oder erzeugen Spannungsfelder. Es entsteht ein Wechselspiel zwischen Form und Form – Farbe und Form - Farbe und Farbe.
Ein Wechselspiel, das sich dem Betrachter mitteilen will und ihn verlocken soll sich diesem Spiel hinzugeben, in das Bild hineinzuwandern, sich fesseln zu lassen, immer neue Wege zu finden, und vielleicht am Ende Entsprechungen zu und in sich selbst zu entdecken. Übertragungen der Bewegungsmuster und Bildinhalte auf eine geistige oder kosmische Ebene, Rückführungen auf eigene Erlebnisse oder Empfindungen oder das Entdecken von parallelen zur realen Welt sind dabei vollkommen legitim. Victorias Bilder wollen sich mitteilen, dabei den Betrachter auf dessen eigener Ebene anrühren und ihn vom bloßen Betrachten zum eigenen Erleben führen.

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Strukturentwürfe

Diese Strukturentwürfe ergänzen das 2009 erschienene Werkverzeichnis von Victoria Kettschau mit einem eigenen Nummernkreis.
Sie dienten ursprünglich in ihrer letzten abstrakten Schaffensphase, ab dem Jahre 1990, als Vorbereitung der späten geometrischen Bilder und wurden von ihr in den Jahren 2013 bis 2015 zum großen Teil überarbeitet und weiterentwickelt.
Dabei war ihr sehr bewusst, dass sie, wenn überhaupt, nur wenige von ihnen noch umsetzten konnte. Trotzdem lag ihr die Überarbeitung und Weiterentwicklung der ursprünglichen Entwürfe sehr am Herzen, da sie ein wesentlicher und selbständiger Teil ihrer abstrakten Arbeiten sind. Vielleicht ermöglichen diese kleinformatigen Arbeiten dem Betrachter eine neue Sicht auf ihr Werk.

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Erste Malversuche von 1935 - 1938

Neben den hier vorgestellten Entwürfen, die mit eigenem Nummernkreis versehen, das Werkverzeichnis ergänzen, befanden sich auch noch in einer Mappe die ersten noch erhaltenen Malversuch von Victoria Kettschau.

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